Die Metamorphose von Mist oder der Gegenwert-Check

In Zeiten von Finanzkrise und besvorstehender Währungsreform darf man sich nicht ĂĽber bisweilen abenteuerliche Anpreisungen bei so genannten “Goldsätzen” wundern, zumal diese sogar augenscheinlich den päpstlichen Segen tragen. Als Fachhändler in 3. Generation mit ĂĽber 26-jähriger Berufserfahrung sage ich: “Hands off” vor Angeboten, die dankenswerterweise nun auch die Presse durchleuchtet und aufgegriffen hat.

Bei meinen täglichen Schätzungen von MĂĽnzen und Briefmarken sitzen mir Sammler oder deren Erben samt Familien im Laden in Wiesbaden, um sich bei Vorlage so genannter “rarer”, “limitierter Gedenkausgaben” die Tränen aus den Augenwinkeln zu wischen. Was ist passiert: seit den 70er Jahren texten bis zum heutigen Tag findige Werbeschreiber heiĂźe Offerten, bei denen der Rentner im heimatlichen Lesestuhl angeschnallt werden mĂĽsste! Immer wieder staune ich nicht schlecht mit welcher bildhaften Sprache einfachstes Metall, was hĂĽbsch geformt wurde, zu modernsten Sammlerikonen hochstilisiert wird! Mit persönlicher Urkunde, sowie goldenem durchnummeriertem Metallschildchen auf der Holzschatulle wird aus Mist hĂĽbscher Mist!

Teurer Mist, wie die weitere Metamorphose belegt! Für Sammler, denen es egal ist, ob Sie irgendwann einmal auch nur noch einen Bruchteil des Anschaffungspreises wiedersehen hat sich die weitere Lektüre dieses Beitrag hier erledigt. Auf Wiedersehen! Für die interessierte Leserschaft biete ich folgende, auf rationaler Basis gestellte Empfehlungen beim Erwerb von Briefmarken und Münzen, deren Wert im Veräußerungsfall nur wenig oder nicht nachgibt:

1. Prüfen Sie was Sie kaufen! Handelt es sich wirklich um Briefmarken bzw. um Münzen und nicht um privat bedrucktes Papier bzw. private Medaillen. Briefmarken tragen wie Münzen fast ausnahmslos den Namen des Ausgabelandes, den Nennwert und die Währungsangabe des Ausgabelandes wie € oder $ .

2. Versuchen Sie den unmittelbaren Gegenwert zwischen Kaufpreis und Materialwert bzw. Nennwert zu ermitteln! Beispiel: Sie kaufen eine Briefmarke bei der Post zu € 1,45. Der Materialwert beträgt ca. € Null; der Wert als Quittungsmarke zu einer Dienstleistung fĂĽr den Transport eines größeren Briefes innerhalb der Bundesrepublik zu € 1,45.  Nächster Vergleich: Sie erwerben eine neue € 100.- Gold-Halbunze der Bundesrepublik beim Händler zu € 390.-. Jetzt liegt es an Ihnen den Gegenwert-Check zu machen! Sie tauschen quasi € 390.- gegen € 100.-! Das sieht auf den ersten Blick nicht gut aus! Zweiter Blick: Sie kaufen zu € 390.- eine halbe Unze Feingold, - sprich: sie erwerben zu € 390.- 15,5 Gramm reines Gold! Der heutige Preis des reinen glänzenden Edelmetalls liegt hierfĂĽr bei € 340.-. Wirkt schon anders! In der Differenz von € 50.- sind Mehrwertsteuer und jetzt kommt ein entscheidender Faktor “SAMMLERWERT” enthalten. Wer jetzt noch den dritten Blick zum Ankaufspreis des Händlers macht, der blickt richtig durch, denn der Händler kauft heute diese MĂĽnze zu ca. € 280.- bis 295.- an. Keine Frage: das ist ein sehr gutes, fast ideales Verhältnis! Der “Sammlerwert” kann beträchtlich ĂĽber dem Materialwert liegen. Dies wird in Gesprächen mit Philatelisten am deutlichsten. Und auch bei Numismatikern wird schon mal ein alter Gold-Dukaten mit einem Materialwert von € 110.- zu einem hohen fĂĽnfstelligen Betrag an einen Sammler verkauft! In Zeiten von Internet und gedruckten Katalogen sollte man dann bei derartigen Angeboten als fortgeschrittener Sammler auch viertens einen Blick zu den Katalogpreisen machen. Ggf. läßt sich dann auch mit Hilfe eines Experten der Wertverlauf im Handel ĂĽber einen gewissen Zeitraum dokumentieren.

3. Alles ist “limitiert”! Nicht nur vergoldete “Gedenktaler” im Edelholzetui von 3-4-5.tv! Selbst die Tetra-MilchtĂĽte auf dem FrĂĽhstĂĽckstisch ist limitiert! “Limitiert meist irritiert!

4. Was es nur “heute” und nur “jetzt” gibt; was nur fĂĽr Sie “reserviert” wurde und eigentlich schon “ausverkauft” ist sollte aufhorchen lassen. So wie es Meister Lampe auf dem Feld macht: auf die Hinterbeine aufrichten, Glotzbäbbel auf, Ohren auf 360 Grad-Empfang und Vorderläufe fĂĽr Argumente in Anspannung halten! Keine emotionalen SprĂĽnge in Form von Spontankäufe bei derartigen Größenordnungen!

5. Fachhändler sind vom Fach und beraten nicht nach der Methode “nach mir die Sintflut”! So wie wir kaufen Fachhändler regelmäßig an Kunden veräuĂźerte StĂĽcke wieder zurĂĽck; zumindest werden fast ausnahmslos anständige RĂĽckkaufofferten unterbreitet! Versuchen Sie bitte einmal die Boris-Becker-Goldprägung von 1990 zu verkaufen, die Sie evtl. im Tennisfieber bei einem Versandunternehmen spontan zu DM 600.- erworben haben. Heute gibt es fĂĽr diese 2-3 Gramm Gold im Handel ca. € 40.- bis 60.- und dabei kommen Sie noch sehr gut weg! Ganz zu schweigen vom Verhalten der Versandhändler bei denen dieser Goldtaler einmal erworben wurde und den man dort heute nicht mehr verkaufen kann! Das ist legitim, aber darĂĽber wird kaum gesprochen!

6. Fragen Sie vor dem Kauf nach Ihrem Motiv, nach dem Antrieb Ihres Erwerbs! SpaĂź ist SpaĂź, da schaut man nicht nach dem Geld! Wollen Sie einen Gegenwert, dann beachten Sie meinen 2. Punkt mit “Gegenwert-Check”! Beabsichtigen Sie den Erwerb von SammlerstĂĽcken zu Anlagezwecken, dann knien Sie sich in eine herrliche und chancenreiche Sammlermaterie und tauschen Sie sich aus. Persönlich  mit Fachhändlern, mit Internet und mit Literatur.

Ihr Torsten Hornung

Ein Kommentar zu “Die Metamorphose von Mist oder der Gegenwert-Check”

  1. Torsten Hornungs Wertfauna » Blog Archive » Fachjournalist äuĂźert sich zu dubiosen MĂĽnzenverkäufen im TV

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