Ein Umzug von anno 1946!
Für Wohnungsumzüge gibt es viele Gründe. Der eine zieht aus seinem Elternhaus. Ein anderer findet Arbeit in einer anderen Stadt. Der Zeitsoldat zieht an einen anderen Standort. Der Student sucht sich eine Wohnung in der Nähe der Universität. Es gibt viele Gründe, um sich eine neue Wohnung zu suchen.
1947 war ein Umzug mit vielen bürokratischen Hürden verbunden. Es gab Zonengrenzen, die nicht so einfach überschritten werden konnten. Am 5. Juli 1946 sperrten die Britten offiziell den Übergang von der Sowjetzone in die britische Zone. Dadurch entwickelte sich ein illegaler Grenzverkehr. Straßen wurden bewacht. Dreisprachige Schilder mit der Aufschrift „Englisch- russische Demarkationslinie wiesen darauf hin, dass eine Zonengrenze passiert wird. Wenn jemand den Grenzübergang geschafft hatte, dann nur mit den allernötigsten persönlichen Sachen, die man tragen konnte.
Ein Umzug musste bei der örtlichen Besatzungsbehörde genehmigt werden. Dazu brauchte man Unterlagen, ein Transportunternehmen, Geld und Geduld.
Im nachfolgenden Beispiel beabsichtigte eine Frau Haller aus Chemnitz zur Zeit Heiligenstadt (Russische Zone- Thüringen) nach Westerhold Westfalen (Britische Zone) zu ziehen. Der Antrag ist Zweisprachig: in Deutsch und Russisch.
„Hierdurch wird mitgeteilt, dass die Absicht besteht, folgende Waren zu verkaufen und aus der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands in die britische Besatzungszone Deutschlands zu liefern:
Möbel und Hausrat lt. beiliegender Aufstellung.
Nettogewicht:Â 550 kg
Wert: Â Â Â RM 1500.-
Antragsteller:Â Friedrich Kunz
Entscheidung des Kreisrates des Landkreise Worbis
Die oben angeführten waren sind der Firma Kunz zur Lieferung aus der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands in die britische Besatzungszone Deutschlands über jeden zugelassenen „Grenz- Kontrollpunkt“ genehmigt.
Heiligenstadt, 20.10.1947
Möglicherweise hängt dieser Umzug damit zusammen, dass am 15. Mai 1947 das Umsiedler- Durchgangslager von Heiligenstadt und Eisenach geschlossen wurde.
Â

Vorderseite der Erklärung in Deutsch
Â
Rückseite der Erklärung in Russisch