Kurzes “s” oder auch die Geschichte vom “Röschenhof”

Rechtschreibfehler, wie bei Bertold - Entschuldigung Bertolt Brecht (DDR Mi. Nr. 593-94), sollten in der Regel nicht passieren. Viele Kontrollen muss eine Marke über sich ergehen lassen, bis es zum Druck kommt. Dazu gehört in der Regel auch der Begleittext auf der Marke.

Der Text auf der unten gezeigten Postkarte ist in Fraktur geschrieben. Bei so einem Schriftstil sind allerdings Regeln zu beachten.

Das orthografisch falsche kurze „s“ in “Märkisches Museum“ verlangt das lange „ſ“ als Anlaut oder Mitlaut. Das kurze „s“ steht meistens am Ende. 

In der heute nur noch gebrauchten Antiqua- Schrift gibt es das lange „ſ“ nicht mehr. Grund dafür ist unter anderem die Verwechslungsgefahr mit dem kleinen „f“.

 

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DDR P95 richtig geschrieben: Märkisches und Museum mit langen „ſ“

20-kurzes-s.JPG 
DDR P95 falsch geschrieben: Märkisches und Museum mit rundem „s“

Praktisches Beispiel aus dem Preußischen Rentenamt von 1822
Schrift ist in Fraktur, das lange „ſ“ wurde hervorgehoben:

20-kurzes-s_textbeispiel.jpg 

Sollten frühere Realansprüche zur Eintragung auf gedachte Grundstücke angemeldet seyn, so wird das Vorzugsrecht derselben bestritten, und es werden dem Königl. Fiskus seine Rechte dieserhalb vorbehalten.
Schleusingen, den 25. Dezember 1822
Das Königl. Preuß. Rentenamt

Ein Radioklassiker ist der Röschenhof, der die ganze Problematik wunderbar vorführt.


Röschenhof  (Rös – chen – hof)  mit kurzem s
oder
Rö ſchenhof (Röschen – hof)  mit langem s

das ist hier die Frage. Die Lösung ist ebenso überraschend wie verblüffend.

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