Die makabere Seite der Eisenbahn-Philatelie

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Dies ist ein Briefumschlag (siehe unten), wie er meist in der Restekiste landet. Ein Ersttagsbrief ohne Ersttagsstempel wird kaum einen Sammler hinter der Ofenecke hervorlocken. Spannender wird es schon, wenn der komplette Inhalt noch vorhanden ist.

Auf über 3 Seiten beschreibt eine Familie aus Dresden (beachtenswert trotz Zensur auch zwischen den Zeilen)  rückblickend ihren Aufenthalt in Karlsruhe. Alles war schön, bis auf die Heimfahrt. Und die hat etwas mit der Bahnfahrt zu tun.

„… Dank für die wunderschönen Stunden , die ich mit Euch und bei Euch verbringen konnte. Haltet Euch nur gut und pflegt Euch so gut, es geht. Wenn Euch nur der große Umsturz erspart bliebe. Ich wünschte es Euch, nun ganz besonders, nachdem ich mich von all dem überzeugen konnte. … 

„… Leider verlief die Heimfahrt nicht so glatt, wie gewünscht. Wir kamen pünktlich und flott von Frankfurt weg. … Zwischen Hanau und Fulda gab es bei rasender Fahrt plötzlich einen mächtigen Plautz. Ich hatte das Gefühl, der Bügel der Lokomotive oder die gesamte Oberleitung wäre auf den Zug gefallen. Es stank nach verbrannten Metall und der Zug blieb stehen. …

bahnschicksal-brief.jpg 
DRESDEN 24  h  17.04.84 –16
… Das Zugpersonal lief hin und her und nach einiger Zeit kam der Zugführer durch und gab bekannt, dass es Verspätung auf unbegrenzte Zeit geben würde. Einer der Mitreisenden war dann ausgestiegen, um zu sehen, was eigentlich los ist. Und da erfuhren wir es. Eine Person hatte sich vor den Zug geworfen und wir haben ihn totgefahren. Da bekommt man so ein eigentümliches Gefühl im Magen, was mich bis nach Hause nicht verlassen hat. … Der Kommissar kletterte unter den Zug. Als er aber blutige Kleiderfetzen hervorwarf, habe ich nicht mehr hinausgesehen. Nach 1 ½ Stunden kam eine neue Lokomotive und es ging weiter. …“

Für Bahnsammler ist dieser Brief sicher eine Delikatesse – aber nur zusammen mit dem Inhalt.

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